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Das Waisenhaus auf dem Hügel

Der erste Schock ist überwunden. Wir fahren im Taxi eine mit Schlaglöchern gesäumte roterdige Straße entlang. Charo Kadenge hat uns abgeholt. Der 38-Jährige ist der hiesige Koordinator für das Waisenhaus-Projekt von Mareike und Claus Müller in Kenia. Er bringt uns zum Kinderheim. Wir kommen vorbei an kleinen Dörfern, in denen Lehmhütten unter Kokusnusspalmen stehen. Vor einer dieser Lehmhütten sitzen lachende Kinder und spielen mit einer kleinen weißen Ziege.

Kenia ist ein schönes Land. Palmengesäumte Traumstrände mit weißem Sand und türkisblauem Meer bilden die Küste rund um Mombasa. Im Landesinnern schmiegen sich grüne Hügel an einen strahlend blauen Himmel mit weißen Quellwölkchen. Das Land erstreckt sich in einer schier unendlichen Weite. Wir fahren weiter die huppelige Straße entlang durch Kashani. Vorbei an Frauen in bunten Gewändern, die auf ihren Köpfen riesige Krüge oder Bündel mit dutzenden Ästen balancieren. Vorbei an jungen Männern, die im Schatten der Affenbrotbäume ihre Herde Rinder hüten.

„Schaut dort oben, da ist das Heim“, sagt Charo auf Englisch und zeigt mit dem Finger gen Horizont. Mitten auf einem kleinen Hügel steht das „Shining Orphans Childrens Home“, das mithilfe von Spenden der OP-Leser errichtet wurde. Das weiße Dach und die graue Fassade heben sich beinahe unwirklich ab von den erdfarbenen Tönen der Umgebung. Das rund 5.000 Quadratmeter große Gelände ist mit Stacheldraht eingezäunt. Ein Askari (Suaheli für Wächter) bewacht Haus und Gelände, auch jetzt, wo noch keine Kinder drinnen wohnen. Er öffnet uns das blaue Tor, auf dem in weißen Lettern „Shining Orphans Childrens Home“ steht. Auf uns wartet bereits Peter Aluma Ondoga, der Bauleiter des Heimes. Zusammen mit Charo zeigt er uns den Neubau. Das Haus ist modern. Es ist im gesamten Tal das einzige Haus aus Stein. Die wenigen umliegenden Häuser sind einfache Lehmhütten – meist in erbärmlichem Zustand.

Ein breiter Flur empfängt die Besucher des Kinderheims. Das hohe Dach schirmt die sengende Hitze ab, es ist angenehm kühl im Innern. „Wir haben für den unteren Teil der Wand extra Ölfarbe verwendet, da kann man etwaige Krickeleien der Kinder ganz leicht abwaschen“, erklärt Peter und streicht lächelnd mit der Hand über die türkisfarbene Wand. Es gibt vier Toiletten, im kenianischen Stil als Plumpsklos gebaut. Die Küche ist zweckmäßig, ein Essraum grenzt an. In den Schlafräumen sollen rund 24 Kinder unterkommen. Eine Hausmutter soll sich um die Aidswaisen kümmern. Auch sie hat ein Zimmer, zudem gibt es noch einen Büroraum. Möbel gibt es noch keine. Sie müssen erst vom gemeinnützigen Verein „Shining Orphans“ gekauft werden. „Hier geht alles Schritt für Schritt. Wir sind eben immer auf das gute Herz von Spendern angewiesen“, sagt Peter.

Besonders stolz sind Charo und Peter auf einen 10.000 Liter fassenden Tank, der das Heim mit fließend Wasser versorgen wird. Im Umkehrschluss wird ein ein Tankwagen in regelmäßigen Abständen die Sickergrube leeren, weil es keine Kanalisation gibt. Vor dem Haus gibt es einen Garten, der zur Selbstversorgung des Heims beitragen soll. Dort wird zum Beispiel Mais angebaut, oder aber auch kartoffelähnliche Gewächse. Die Papaya-Bäume tragen bereits Früchte.

Ein kleines Mädchen läuft auf der angrenzenden Straße vorbei, lacht, winkt und ruft „Jambo“. Charo winkt lachend zurück. „Die Menschen in der Gegend hier sind sehr arm“, erklärt er. „Alle freuen sich, das hier ein Waisenhaus hingebaut wird.“

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