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Jambo Kulturschock, die Ankunft

Die Hitze trifft mich wie ein Schlag. Die drückende Schwüle legt sich wie ein heißer Nebel auf meine Haut. Jambo, willkommen in Kenia.

Nach zehn Stunden Flug – mit Zwischenlandung am Kilimanjaro – betrete ich erstmalig afrikanischen Boden. Ein unwirkliches Gefühl, schließlich tobte ein Schneesturm, als wir in Frankfurt ins Flugzeug stiegen. Ich zumindest trage immer noch meinen Winterschal um den Hals. Große Ventilatoren hängen unter der Decke im Flughafengebäude von Mombasa und vermischen nur die dicke Luft aus Ölgeruch und den penetranten Ausdünstungen hunderter Menschen.

Kulturschock. Die Fahrt vom Flughafen zu unserer Unterkunft ist eine Reizüberflutung schockierender Eindrücke. Überall liegt Müll. Knöchelhoch. Die Fläche neben einem verfallenen Haus – fast so groß wie ein halbes Fußballfeld – ist mit Plastikabfällen bedeckt. Mittendrin spielen Kinder. Unser Minibus eiert eine kaum asphaltierte Straße entlang und überhollt Männer, die aus Ästen zusammengezimmert Karren mit dutzenden Wasserkanistern darauf hinter sich herziehen.

Eine beißende Rauchwolke steigt uns plötzlich in die Nase. Eine Frau mit buntem Kopftuch und wild gemustertem Rock stochert mit einem Stock in einem Feuer herum. Wie sie verbrennt an jeder Ecke jemand kleine Müllberge. Menschen in zerrissener Kleidung sitzen am Straßenrand herum, gehen auf unseren Minibus zu, sobald dieser anhält. „Mach lieber das Fenster hoch“, rät mir meine Freundin Vera, die mich auf dieser Reise begleitet. Während ihres Medizinstudiums hat sie monatelang in afrikanischen Ländern gearbeitet. Sie kann nur darüber lächeln, dass ich so schockiert bin. Ich folge ihrem Rat und kurbel das Fenster hoch, als ein Mann mit blutunterlaufenen Augen und geweiteten Pupillen auf mich zugeht. „Der ist high“, diagnostiziert meine Begleiterin und erzählt, dass man in solch armen Ländern wie Kenia am besten nicht allein mit dem Auto unterwegs ist – zumindest in bestimmten Gegenden.

Während ich einen richtigen Kloß im Hals habe, sieht Vera stattdessen die positiven Dinge. „Schau mal, die Leute haben ja sogar Arbeit“, sagt sie und zeigt auf einen der kleinen Läden am Straßenrand. Dort verkauft eine Frau strahlend bunte Blumen. Lila, gelb, blau – ein farbenfroher, wunderschöner  Lichtblick in all dem Elend. Kenia lebt von diesen Blumen. In den vergangenen Jahren ist der Blumenexport Kenias in die Höhe geschnellt. Kenias Marktanteil am europäischen Blumenmarkt soll laut einiger Quellen rund ein Viertel betragen.

Auf der Straße durch Mombasa reiht sich ein „Shop“ an den nächsten. In diesen Minihütten verkaufen die Menschen alles. In einem werden Mangos angeboten, im nächsten werden Reifen geflickt, gut daran zu erkennen, dass direkt vor der Tür ein defekter Lastwagen aufgebockt steht. Nebendran ist ein Pappschild angebracht, auf dem „Electrician“ Elektriker steht. Der Handwerker sitzt vor der Tür im Staub.

Kenia ist ein armes Land. Die Arbeitslosenquote lag 2008 bei etwa 40 Prozent, die Inflationsrate bei etwa 26 Prozent. Kenias Bruttosozialprodukt ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gewachsen – im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten. Allerdings ist auch die Bevölkerungszahl explodiert, sodass sich die Lebensverhältnisse der Kenianer nicht wirklich verbessert haben.

In Mombasa, hinter der Hauptstadt Nairobi die zweitgrößte Stadt, leben fast 800.000 Menschen. Ich habe den Eindruck, dass alle auf einmal auf die Straße gelaufen sind. Überall sind Menschen. Sie schauen mich an. Schauen mir direkt in meine Augen – und ich schäme mich in diesem Bus zu sitzen, mit einer Digitalkamera in der Hand. Schäme mich, weiß zu sein.

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